RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer

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RANA-Projektsteckbrief

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Aktualisierende Schutzwürdigung und Pflegekonzept für FND im Landkreis Harz

FND „Schäferplätzchen“ und „Fläche östlich des Schäferplätzchens“ im Osthuy sowie „Eichen-Niederwald“ am Kapitelsberg bei Darlingerode

Laufzeit

FND „Schäferplätzchen“ und „Fläche östlich des Schäferplätzchens“ 2009-2010
FND „Eichen-Niederwald“ 2010-2011

Auftraggeber

Landkreis Harz, Umweltamt, Untere Naturschutzbehörde

Aufgabenstellung

Die FND wurden bereits zu DDR-Zeiten auf der Grundlage eines Kreis-Beschlusses unter Schutz gestellt. Für die Schutzgebiete lagen jedoch nur wenige Angaben zum floristischen und faunistischen Artenbestand vor. Im Rahmen des Gutachtens wurden die Biotope, Gefäßpflanzen, Vögel, Heuschrecken (nur Osthuy) und Weichtiere (nur Osthuy) erfasst. Basierend auf diesen aktuellen Erhebungen erfolgten eine naturschutzfachliche Würdigung der Gebiete, die Erarbeitung einer naturschutzfachlich begründeten Zielkonzeption sowie eines flächenkonkreten Pflegekonzeptes. Darüber hinaus werden Vorschläge zur Anpassung der Gebietsabgrenzungen vorgelegt.

FND „Schäferplätzchen“ und „Fläche östlich des Schäferplätzchen“ im Osthuy

Die bearbeiteten FND sind Teilflächen der Südabdachung im Osten des Huys. Gebietsprägend sind die Kalkmagerrasen (LRT 6210 „Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien“), welche zum Teil durch historische Schafhutung und z.T. durch Sukzession innerhalb stillgelegter Kalksteinbrüche entstanden sind. Infolge jahrzehntelanger Nutzungsaufgabe und der Aufforstung von Kiefern waren die Kalkmagerrasen z.T. nur noch fragmentarisch erhalten und stark verbuscht (Abb. 1, 3 und 7). Die Erfassungen zeigten jedoch, dass die FND dennoch über ein ausgesprochen bemerkenswertes Arteninventar verfügen (Abb. 2, 6 und 9). Floristisch bemerkenswerte Vertreter sind z.B. (Thesium linophyllon), Diptam (Dictamnus albus), Hirschwurz (Peucedanum cervaria), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Filz-Segge (Carex tomentosa) und Breitblättriges Laserkraut (Laserpitium latifolium). Faunistisch besitzen die FND vor allem für die Heuschrecken- und Schmetterlingsfauna eine herausragende Bedeutung. Als Besonderheit ist v.a. der Steppengrashüpfer (Stenobothrus crassipes) herauszustellen, der innerhalb Deutschlands bislang nur im Kyffhäuser nachgewiesen wurde (Abb. 2).

Das Pflegekonzept ist auf den Erhalt und die Förderung dieser Arten- und Biotopausstattung ausgerichtet und umfasst im Wesentlichen eine vollflächige Gehölzentnahme auf den Kalkmagerrasen inkl. der Waldsäume sowie ein Beweidungskonzept. (Abb. 4, 8 und 10). Dabei werden verschiedene Szenarien und schutzgebietsübergreifend vor allem eine Vernetzung der Magerrasen im Osthuy vorgeschlagen (Abb. 11).

FND „Eichen-Niederwald“ am Kapitelsberg bei Darlingerode

Das FND ist die Teilfläche eines größeren Eichen-Niederwaldkomplexes, teilweise mit Mittelwaldstruktur, auf der Nordharzabdachung (Abb. 11 und 12). Aufgrund ihres Alters (lange Habitatkontinuität) und ihrer Flächenausdehnung ist der Bestand um den Kapitelsberg besonders erhaltenswert. Zudem weisen Eichenwälder die höchste Anzahl assoziierter Arten auf und gehören deshalb zu den wertvollsten Lebensräumen.

Die Unterschutzstellungsunterlagen sahen eine Fortführung der Niederwaldnutzung im FND vor. Diese Bewirtschaftung wurde jedoch nie umgesetzt. Die einzelne Lohden und Stöcke beginnen abzusterben bzw. weisen aufgrund ihres Alters eine geminderte Ausschlagfähigkeit auf. Die Kraut- und Strauchschicht ist infolge des zunehmenden Kronenschlusses verarmt. In den vergangenen Jahren wurde inzwischen auf zwei Teilflächen mit der Beräumung des Oberstandes begonnen.

Das aktuelle Pflegekonzept zielt auf eine kombinierte Kombination aus Nieder- und Mittelwaldwirtschaft ab, wie sie entsprechend des aktuellen Bestandsaufbaus auch historisch durchgeführt wurde (Abb. 25). Der Bestand soll in 5 Teilflächen gegliedert werden, welche turnusmäßig abgetrieben werden. Die kernwüchsigen Alteichen sollen als Biotopbäume erhalten werden. Nach dem Abtrieb sind auf den einzelnen Schlägen unterschiedliche Nachpflegearbeiten erforderlich (z.B. Durchforstung der Stockausschläge, Mahd des Unterbaus).

Ansprechpartner

Katrin Hartenauer

Projektgalerie

FND „Schäferplätzchen“ im Jahr 2009 vor Beginn der Pflegemaßnahme.

Steppengrashüpfer (Stenobothrus crassipes)

Verbuschungsgrad der Kalkmagerrasen und vorherrschende Gehölzarten im FND „Schäferplätzchen“

FND „Schäferplätzchen“ im Jahr 2011 nach der Entbuschung

FND „Fläche östlich des Schäferplätzchens“ im Jahr 2009 vor Beginn der Pflegemaßnahme

FND „Fläche östlich des Schäferplätzchens“ im Jahr 2011 nach der Entbuschung und Entnahme des Gehölzsaumes (siehe auch Abb. 8)

Hirschwurz (Peucedanum cervaria)

Nach der Entnahme des Gebüschsaumes im FND „Fläche östlich des Schäferplätzchens“ (vgl. Abb. 7) kam der Diptam (Dictamnus albus) wieder zur Entwicklung.

Maßnahmenkarte des Pflegekonzeptes für die FND „Schäferplätzchen“ und „Fläche östlich des Schäferplätzchens“

Vorschlag für ein schutzgebietsübergreifendes Triftwegesystem

Durchwachsener Niederwald am Kapitelsberg

Eichen-Überhälter im Nordteil des FND

Zwei in den vergangenen Jahren abgetriebene Teilflächen (links vom Jahr 2001, rechts vom Jahr 2008)

Maßnahmenkarte für das FND

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