RANA - Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer

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RANA-Projektsteckbrief

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Naturschutzfachliche Würdigung für das geplante Naturschutzgebiet „Moore südlich von Schönheide“ (Erzgebirgskreis)

Laufzeit

2011

Auftraggeber

Landkreis Erzgebirgskreis, vertreten durch das Referat Umwelt (Untere Naturschutzbehörde)

Projektinhalt

In Vorbereitung der geplanten Ausweisung eines Naturschutzgebietes im westlichen Erzgebirge wurde eine naturschutzfachliche Würdigung erstellt. Zu den Schutzgütern des Plangebiets gehören Bergwiesen, artenreiche Borstgrasrasen, Zwischenmoore, Sümpfe, Moorwälder sowie Relikte eines ehemaligen Hochmoors mit einem kleinen Bestand der in Sachsen vom Aussterben bedrohten Moor-Spirke.

Das geplante NSG liegt innerhalb des FFH-Gebietes 286 „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“ und schließt zwei bestehende, noch nicht rechtsangepasste sowie ein geplantes Flächennaturdenkmal (FND) ein. Der FFH-Managementplan und ein aktuelles moorhydrologisches Gutachten liegen vor.

Die Borstgrasrasen und Zwischenmoore stellen mit Vorkommen von (u. a.) Arnika (Arnica montana), Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris), Geflecktem Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia) die floristisch wertvollsten Teilflächen dar. Gut erhaltene Bergwiesen, artenreiche Sumpfwiesen, ein naturnaher Gebirgsbach und montane Fichtenwälder runden die Biotopausstattung ab.

Auf dem Gebiet des geplanten NSG befinden sich außerdem Relikte des ehemaligen, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast vollständig abgetorften „Schönheider Hochmoores“. Hier bestand bereits von 1967 bis 1983 ein Naturschutzgebiet. Auf der Abtorfungsfläche ist eine Entwicklung als nährstoffarmes Feuchtgebiet vorgesehen bzw. bereits initiiert (Gräbenverbau). Auf einem schmalen, stark geschädigten Resttorfkörper befindet sich ein kleiner Bestand der Moor-Spirke (Pinus x rotundata). Dieser unterliegt starken Beeinträchtigungen (geringe Fruktifikation, geringe Verjüngung, mechanische Schädigung der Altbäume, zunehmende Bedrängung durch Moorbirke und Fichte).

Pflege und Entwicklung

Für das Gesamtgebiet ist eine weitere Verbesserung des nicht mehr vollständig wiederherstellbaren Wasserhaushaltes unerlässlich. Dies wird durch die verbindliche Etablierung klimatischer und hydrologischer Schutzzonen untersetzt. Für die wiedervernässte Abtorfungsfläche wird eine Entwicklung hin zu Moor- und sonstigen Feuchtwäldern, kleinflächig durchsetzt von natürlichen Offenstandorten, erwartet. Ein Offenhalten weiterer Teilbereiche durch Pflegemaßnahmen wird empfohlen, ein partielles Abschieben von Pfeifengrasdecken zur Generierung von Rohtorfböden angeregt. Für die in Sachsen vom Aussterben bedrohte Moor-Spirke wurde ein Programm bestandesstärkender Maßnahmen entworfen (ex situ-Vermehrung und Rückpflanzung an geeignete Standorte im Gebiet; forstliche Bestandespflege). Für die Zwischenmoore, Borstgrasrasen und Bergwiesen soll die bisherige Pflege bzw. Bewirtschaftung beibehalten und ggf. optimiert werden. Für die montanen Fichtenwälder sind eine Mehrung von Biotopstrukturen und das Tolerieren natürlicher Veränderungen im Zuge weiterer standörtlicher Vernässung vorgesehen.

Ansprechpartner

Holger Lieneweg

Projektgalerie

Zwischenmoor im Oberhangbereich des geplanten NSG mit Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium)

Fruchtaspekt des Scheidigen Wollgrases (Eriophorum vaginatum) im FND „Keilbergmoor (Schönheider Moor)“

Die Arnika (Arnica montana), eine Charakterart der Borstgrasrasen, ist in Sachsen stark gefährdet.

Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica), eine typische Art feuchter Borstgrasrasen, im FND „Keilbergmoor (Schönheider Moor)“

Individuenreicher Bestand des Gefleckten Knabenkrauts (Dactylorhiza maculata) im FND „Wiese an den Baumgärtelkiefern“

Teile der jüngeren Abtorfungsfläche des ehemaligen Schönheider Hochmoors sind noch weitgehend gehölzfrei. Offenflächen sollten auch künftig erforderlichenfalls pflegerisch erhalten werden. Im Hintergrund erhebt sich über der ehemaligen Torfstichkante der Resttorfkörper des Hochmoors.

Größere Teile der Abtorfungsfläche des ehemaligen Hochmoores befinden sich in Verbuschung bzw. Wiederbewaldung.

Kleiner Bestand der in Sachsen vom Aussterben bedrohten Moor-Spirke (Pinus x rotundata) auf dem Resttorfkörper. Etliche Altbäume sind bereits abgestorben oder mechanisch beschädigt.

Strukturbereichernde Elemente wie natürliche Auflichtungen, Biotopbäume oder stehendes Totholz sind in den montanen Fichtenwäldern des Plangebietes zu erhalten und zu mehren.

Auf den terrestrischen Böden am Rande des Plangebietes ist bereits ein forstlicher Waldumbau in Richtung Buchenmischwald eingeleitet worden.

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