RANA – Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer

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RANA-Projektsteckbrief

Maßnahmen- und Flächenpool „Revitalisierung Jävenitzer Moor“ – Umsetzungsphase

Projektgalerie

Die hervorragende Moorvegetation aus dem Naturschutzgebiet „Jävenitzer Moor“ soll als Wiederbesiedlungsquelle für die nahegelegenen Renaturierungsflächen dienen. Hier: Moorschlenkenvegetation mit Weißem Schnabelried (Rhynchospora alba) am Rande eines jetzt wassergefüllten ehemaligen Kleintorfstichs.
NSG: Die nassen Offentorfflächen am Gewässerrand sind Sachsen-Anhalts einziger Fundort des Mittleren Sonnentaus (Drosera intermedia).
In den Moor- und Feuchtheideflächen des NSG wächst die in Sachsen-Anhalt stark gefährdete Glockenheide (Erica tetralix) (hier mit Besuch von einem Dickkopffalter).
Durch Kammerung mit rund 70 Torfdämmen wurde das 7 km lange System bestehender Entwässerungsgräben im Vorhabensgebiet inaktiviert. Das verwendete Torfmaterial und das im Inneren verbaute Holz entstammen direkt den Maßnahmen.
Auf einer Gesamtfläche von rund 2 ha wurden vor der Wiedervernässung bestehende Vegetationsdecken aus Pfeifengras abgetragen und grundwassernahe Offentorfstandorte hergestellt.
Das Drohnenluftbild (Juni 2019) zeigt die Dimension der Vegetationsabtragsflächen. Links im Hintergrund das Naturschutzgebiet.
Zur Erläuterung der umfassenden Maßnahmen für die Öffentlichkeit wurden Infotafeln am Rand des Projektgebietes aufgestellt.
Im Sommer nach der Umsetzung erfolgte eine erste Erfassung des neuen Ausgangszustandes auf den Maßnahmenflächen. Das Erfolgsmonitoring ist auf 10 Jahre angelegt.

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Laufzeit

2017–2019 (Vorplanungen seit 2007, Erfolgsmonitoring bis 2029)

Auftraggeber

Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, Regionalbereich Süd

Gebietscharakteristik und Projektinhalte

Das einstmals über 160 ha große Jävenitzer Moor bei Gardelegen wurde zwischen dem Ende des 17. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts entwässert und forstlich nutzbar gemacht. In geringem Umfang kam es auch zu Torfabbau. Ursprüngliche Moorvegetation konnte sich nur kleinflächig in Randbereichen halten, welche seit 1938 im Umfang von 13 ha als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt wurden. Die hervorragende Arten- und Biotopausstattung dieser kleinen Restbereiche macht das Gebiet gleichwohl bis heute zu einem der bedeutendsten Tieflandmoore in Sachsen-Anhalt. Der überwiegende Teil des Gebietes hingegen ist geprägt von degradierten Moorstandorten, stark zersetzten Torfen und einem massiven Torfschwund, vor allem aufgrund von Torfbränden im Laufe des 20. Jahrhunderts. Die Vegetation ist bestimmt von Nadelholzforsten, Birkenpionierwäldern und kleinflächig offenen Pfeifengras-Monodominanzbeständen.

Die Idee, eine großangelegte Revitalisierung des Moores als komplexe Kompensationsmaßnahme für Eingriffe in Natur und Landschaft durch den Neubau der Bundesautobahn 14 umzusetzen, reicht bis in die 2000er Jahre zurück, und eine entsprechende Planung wurde ab 2007 durch die Büros Ellmann/Schulze (wasserbauliche Planung) und RANA (naturschutzfachliche Planung) erarbeitet (zum Projekt).

Das Vorhaben wurde Ende 2012 als Maßnahmen- und Flächenpool „Revitalisierung Jävenitzer Moor“ in Trägerschaft der Landesstraßenbaubehörde planfestgestellt. In Vorbereitung der Umsetzung wurde das Büro RANA 2016 mit einer flächenscharfen Konkretisierung der forstlichen und landschaftsbaulichen Maßnahmen beauftragt; mit der Ausführungsplanung wurde wiederum das Büro Ellmann/Schulze GbR betraut. Die bauliche Umsetzung erfolgte jeweils in den Winterhalbjahren 2017/18 und 2018/19.

Die wasserbaulichen Maßnahmen des Vorhabens umfassen die Inaktivierung von Entwässerungsgräben mit einer Gesamtlänge von über 7 km durch Kammerung bzw. Vollverfüllung mit dem Ziel einer Stabilisierung des Wasserhaushalts auf einer Vorhabensfläche von rund 160 ha. Begleitend wurden in Teilflächen Waldbiotope aufgelichtet, nicht-standortheimische Nadelbaumbestände entnommen, bestehende Offenbereiche erweitert, Pfeifengrasdecken und Oberboden abgetragen sowie Offentorfflächen und Kleingewässer angelegt.

Ziele der Vegetationsentwicklung sind die Neuanregung des Moorwachstums, v. a. der Neubildung von Sphagnum-Torfen, sowie die Förderung von Pflanzengesellschaften der nährstoffarmen Zwischenmoore, der Torfmoorschlenken (mit Rhynchospora alba), der Feuchtheiden (mit Erica tetralix), der Birken- und Kiefern-Moorwälder sowie der dystrophen Stillgewässer. Dabei wird auf eine spontane Neuansiedlung charakteristischer Pflanzenarten aus dem Arteninventar der erhaltenen Randbereiche gesetzt.

In der Umsetzungsphase 2017–19 leistete das Büro RANA die fachliche Begleitung und ökologische Bauüberwachung (ÖBÜ). Es führt zudem das naturschutzfachliche Erfolgsmonitoring zu dem Vorhaben durch (Laufzeit: 2015 [Nullzustandserfassung] bis 2028).

RANA – Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer
Mühlweg 39
D-06114 Halle
Tel.: 0345-1317580
Fax: 0345-1317589
E-Mail: info(at)rana-halle.de

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